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Bauchspeicheldrüse Teil 1 - Die Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)

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Kleine Drüse - Großes Drama! Doch was ist das Pankreas überhaupt?

Die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, ist eine Drüse des Verdauungstrakts. Ein kleiner Teil (ca. 2 – 3% ) des Pankreas sind die sogenannten Inselzellen, die wie der Name schon sagt in kleinen Inseln in dem Organ verteilt vorkommen. Sie produzieren Hormone die den Zuckerhaushalt des Körpers regeln. Diese Hormone werden ins Blut abgegeben, deswegen wird der Inselzellapparat auch als „endokriner“ Anteil des Pankreas bezeichnet (endo = nach innen).

Der erheblich größere Anteil dieses Organs aber stellt Verdauungsenzyme und Hydrogencarbonat her und gibt diese in den Darm ab. Daher wird dieser Teil des Pankreas auch als „exokrin“ bezeichnet (exo = nach außen). Die produzierenden Zellen speichern die Verdauungsenzyme in einer inaktiven Form, bis sie gebraucht werden, ihre Aktivierung erfolgt unter normalen Umständen erst im Dünndarm. Der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse mündet bei Hunden und Katzen meist gemeinsam mit dem Gallengang kurz hinter dem Magenausgang in den Dünndarm. Da die Verdauungsenzyme nur in einem neutralen bis leicht basischen Milieu funktionieren (pH 7 oder höher), der Speisebrei aber sehr sauer aus dem Magen ( Hund und Katze pH 1 – 3) in den Dünndarm kommt, wird das Hydrogencarbonat als Puffer benötigt, damit die Verdauung überhaupt stattfinden kann.

Die Flüssigkeit, die die Bauchspeicheldrüse abgibt und in der die Verdauungsenzyme sowie das Hydrogencarbonat enthalten sind, wird als „Pankreassaft“ bezeichnet. Bekommt ein Tier über einen längeren Zeitraum das immer gleiche Futter in der gleichen Menge, passt sich die Zusammensetzung des Pankreassaftes daran an.

In Kürze zusammengefasst: was macht ein gesundes Pankreas?

Die Inselzellen bilden Hormone:

  • Insulin:
    • sorgt dafür, dass die Glukose (ein Einfachzucker, das „Benzin“ für die Zellen) in die Körperzellen aufgenommen werden kann und als Energiequelle zur Verfügung steht
    • baut „Zuckerspeicher“ (= Glycogen) in Leber- und Muskelzelle auf
    • fördert die Fettspeicherung und den Eiweißaufbau
    • hemmt den Fett- und den Eiweißabbau
    • kurz: ein anaboles Hormon, dass Körpersubstanz aufbaut und den Blutzuckerspiegel senkt
  • Glucagon:
    • erhöht die Glucosefreisetzung aus den Glycogenspeichern, baut also die „Zuckerspeicher“ in den Zellen ab
    • wird ausgeschüttet, wenn der Blutzuckerspiegel zu rasch absinkt oder bei Stress/Angst/Panik
    • kurz: es erhöht den Blutzuckerspiegel damit der Körper leistungsfähig bleibt und zur Not schnell weg laufen kann
  • Somatostatin:
    • hemmt die Herstellung und Freisetzung der Verdauungsenzyme
    • wird auch von anderen Geweben gebildet, unter anderem im Gehirn
  • Pankreas-Polypeptid:
    • offensichtlich an der Appetitregulierung beteiligt

Wie man sieht, gibt es immer einen Gegenspieler zu jedem Hormon, um den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten bzw. der Situation anzupassen. Auch andere Systeme im gesunden Körper regulieren sich auf diese Weise mit Spieler und Gegenspieler selbst.

Der Rest des Organs bildet Verdauungsenzyme:

  • Proteasen: spalten Eiweiße (=Proteine), pH Optimum 7,5 – 8,5
  • Carbohydrasen: spalten Stärke (Kohlenhydrate, engl. Carbohydrates), pH Optimum 6,7 – 7,2
  • Lipasen: spalten Fette (=Lipide), pH Optimum 8

Gelangt mit dem Speisebrei Magensäure in den Dünndarm, löst das die Freisetzung von Hydrogencarbonat und Verdauungsenzymen aus, manchmal reicht aber auch schon die reine Vorfreude auf das Essen.

Was kann schief laufen im Pankreas?

  • Entzündung des Pankreas = Pankreatitis, die kann akut oder chronisch sein
  • Insuffizienz des exokrinen Pankreas = umgangssprachlich Pankreasinsuffizienz
  • Insuffizienz des endokrinen Pankreas = Diabetes mellitus
  • Außerdem: Tumore, Atrophie (Pankreas wird immer weniger)

Quelle Foto: BruceBlaus [CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)]

Quelle Foto: BruceBlaus [CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)]

Entzündung des Pankreas = Pankreatitis

Die meisten Zellen des Pankreas bilden Enzyme die Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate verdauen. Diese Enzyme werden in kleinen Bläschen in den Zellen gespeichert, die proteinverdauenden und ein Teil der fettverdauenden in inaktiver Form, um einen Selbstverdau des Organs zu vermeiden. Bei Erwartung und Vorfreude auf eine leckere Mahlzeit oder wenn Magensäure mit dem Speisebrei in den vorderen Abschnitt des Dünndarms gelangt, werden diese Enzyme vermehrt freigesetzt und in den Dünndarm abgegeben. Erst hier werden die inaktiven Enzyme in ihre aktive Form umgewandelt und können mit der Verdauung von Fetten und Eiweißen loslegen.

Der Hund gibt ständig, auch in der Hungerphase, eine gewisse Menge Pankreassaft in den Dünndarm ab. Durch Fütterung werden 2 größere Abgabephasen ausgelöst: die erste 2 Stunden, und die zweite ca. 11 Stunden nach der Futteraufnahme. Bei der Katze weiß man das nicht so genau.

Nun kann es aber passieren, dass die Verdauungsenzyme bereits in der Bauchspeicheldrüse aktiviert werden und nicht erst im Darm. Die auslösenden Ursachen sind tatsächlich immer noch weitgehend unklar. Lange und sicher geglaubte Ansätze werden zunehmend verworfen. Welche möglichen Auslöser aktuell diskutiert werden, kommt weiter unten. Werden die Verdauungsenzyme bereits im Pankreas aktiv, tun sie das, wofür sie gedacht sind: sie verdauen, und zwar blöderweise das lebende Organ. Dadurch werden in der Bauchspeicheldrüse Entzündungen und Nekrosen (=abgestorbenes Gewebe) ausgelöst: eine akute Pankreatitis. Dies ist nicht nur ausgesprochen schmerzhaft, da die Bauchspeicheldrüse mit dem Blutgefäßsystem verbunden ist, es gelangen zudem verschiedene Substanzen aus dem entzündeten oder bereits abgestorbenen Gewebe ins Blut und belasten andere Organe (Leber, Niere, Herz,…) bis hin zu einem tödlichen Multiorganversagen. Meist ist das Allgemeinbefinden bei Patienten mit einer akuten Pankreatitis sehr schlecht, aber die Verläufe können auch klinisch relativ unauffällig sein – gerade bei Katzen.

Eine akute Pankreatitis kann abhängig vom Ausmaß der Entzündung bei rechtzeitiger und angemessener Behandlung vollständig wieder ausheilen ohne Folgeschäden zu hinterlassen. Sie kann aber im schlimmsten Fall auch tödlich verlaufen. Entzündungen des Pankreas können eine einmalige Sache sein, akut in Schüben auftreten (= akut rezidivierend) oder in eine chronische Entzündung übergehen. Die akut rezidivierende sowie die chronische Verlaufsform gehen in der Regel mit einem zunehmenden Verlust an funktionalem Gewebe einher. Aber auch eine einmalige Entzündung kann so gravierend verlaufen, dass erhebliche Teile des Pankreas danach nie wieder ihre Funktion erfüllen können. Sind große Teile des Pankreasgewebes zerstört (man schätzt bei >90%), kann das Organ natürlich seine Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen, also nur noch vergleichsweise wenig Verdauungsenzyme oder Hormone bilden und es kommt in der Folge zu einer Pankreasinsuffizienz und/oder einem Diabetes mellitus.

Typische Symptome einer Pankreatitis

Hund: Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Lethargie, oft starke Schmerzen im Oberbauch, auffällig häufiges Boden- und/oder Pfotenlecken

Katze: Apathie, Gewichtsverlust, Austrocknung, Untertemperatur

Bei beiden Spezies also eher unspezifisch, weswegen die Diagnose Pankreatitis auch nicht ganz einfach ist. Zum Glück hat sich die Labordiagnostik in diesem Bereich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt.

Welche möglichen Auslöser werden aktuell diskutiert?

Ebenfalls ungesichert sind nach wie vor die auslösenden Ursachen. Lange waren fast nur hohe Fettgehalte im Futter oder die Aufnahme größerer Mengen „ungeeigneter“ Nahrung (wird irgendwie nie näher beschrieben, was ungeeignet ist) im Fokus. Bei sehr empfindlichen Hunden kann zwar nachweislich eine einzige große, fettreiche Mahlzeit zu massiven Problemen führen, aber es zeigt sich zunehmend, dass ein hoher Fettgehalt der Nahrung vermutlich nur einer von vielen möglichen Auslösern ist. Bei den Katzen spielen die Nahrungsfette als Auslöser gar keine Rolle und in der Behandlung der Pankreatitis hat eine Reduktion der Nahrungsfette auch keine Vorteile aufgewiesen.

Folgende weitere Auslöser werden diskutiert und sind sehr wahrscheinlich:

  • Futtermittelallergien (Manohar et al,2017) sowohl IgE (Immunglobulin E) vermittelte, als auch Allergien die nicht über IgE sondern Zellen des Immunsystems vermittelt werden, die genauen Mechanismen sind noch unklar
  • Gallensteine oder -gries, diese können den gemeinsamen Ausführungsgang von Bauchspeicheldrüse und Galle verlegen und so eine Rückstau des Pankreassaftes verursachen, was eine Selbstverdauung und Entzündungen des Pankreas auslöst. Auch Schwellungen der Darmschleimhaut können einen solchen Rückstau verursachen. Die Verdauungsprozesse können bei schweren Verläufen auch auf das umliegende Fettgewebe und angrenzende Organe übergreifen
  • Aus dem Darm aufsteigende Bakterien, häufig bei der Katze, bei ihr sind meist Darm, Gallengänge und Pankreas gleichzeitig entzündet, weshalb immer noch häufig von einer „Triaditis“ (Tri = Drei) gesprochen wird. Infektionen sind aber eher die Ursache einer chronischen Pankreatitis, akute Pankreasentzündungen sind meist steril
  • Rasseprädispositionen, genetische Störung des Fettmetabolismus? Auffallend häufig betroffen sind Boxer, Schnauzer, Cavalier King Charles Spaniel, Cocker Spaniel, Collies und Yorkshire Terrier
  • Infekte und Parasiten (FIP, Toxoplasmose, Babesien, Trematoden, Pankreasegel, Leberegel, Viren, Bakterien)
  • Traumen (Autounfall, Sturz, Kippfenster,..)
  • Medikamente (Cortison) und Gifte (Organophosphate)
  • Hypercalcämie (zu viel Calcium im Blut)
  • Urämie (Niereninsuffizienz)
  • Thromben (Blutgerinnsel)

Was und wie füttern bei einer akuten Pankreatitis?

Tiere mit einer akuten Pankreatitis sind Intensivpatienten. Sie müssen mit ausreichend Flüssigkeit, Antibrechmitteln und entzündungshemmenden sowie vor allem schmerzstillenden Medikamenten tierärztlich versorgt werden. Die Diätetik steht hier nicht im Vordergrund. Leichtverdauliche, warme, weiche Nahrung, am besten sogar von suppiger Konsistenz und in kleinen Portionen kann angeboten oder per Sonde verabreicht werden. Je eher wieder angefüttert werden kann, desto besser für das Darmmikrobiom und tatsächlich auch für die Heilungsaussichten. Solange der Patient erbricht wird selbstverständlich nicht gefüttert, aber das generelle Hungern lassen bei einer akuten Pankreatitis ist überholt und wird heute nicht mehr empfohlen. Der Tierarzt muss bei anhaltendem Erbrechen entscheiden, ob dem Tier Nährstoffe über eine Infusion oder eine Darmsonde zugeführt werden müssen.

Geeignet wäre ein hochwertiges Nassfutter mit warmem Wasser püriert. Von unseren Vet Concept Produkten empfehlen wir besonders Low Fat, Intestinal oder Intestinal Low Fat. Abhängig davon, ob eine Fettreduktion notwendig ist oder nicht. Bei Allergieverdacht bieten sich auch die Sana- oder Sensitive Diet-Linie hervorragend an. Auslösende oder begleitende Erkrankungen müssen natürlich bei der Auswahl des Futters berücksichtigt werden.

Was füttern bei chronischer oder akut rezidivierender Pankreatitis?

Die zugrundeliegende oder zeitgleich auftretende Erkrankung sollte auch hier selbstverständlich beachtet werden. Tatsächlich kommt es häufig vor, das zusätzlich zu einer Pankreasentzündung eine Niereninsuffizienz oder bei der Katze eine Lipidose der Leber (Verfettung der Leberzellen) auftritt.

In Abhängigkeit von der auslösenden Grunderkrankung bzw. den vermuteten Auslösern sollte neben einer medikamentösen Behandlung eine individuelle abgestimmte Diät ausgewählt werden. Fettarm wo notwendig, Eliminationsdiäten wenn ein Allergieverdacht besteht. Sollte zeitgleich eine Nierenerkrankung bestehen oder die Urämie sogar der Auslöser für die Pankreatitis sein, ist eine geeignete Nierendiät dringend angeraten! Besteht ein IBD Verdacht, können Allergiediäten versucht werden.

Bei der Katze weiß man schon seit geraumer Zeit, dass fettarme Rationen, sowohl bezüglich der Klinik als auch was die Heilungstendenzen betrifft, in der Behandlung einer Pankreatitis meist keine Vorteile aufweisen – außer natürlich es bestehen Probleme mit der Fettverdauung, Gallensteinen oder dem Fettmetabolismus (Hyperlipidämie, Hypercholesterinämie). Dann wird fettarm gefüttert.

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