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Bauchspeicheldrüse Teil 3 - Die endokrine Pankreasinsuffizienz: Diabetes mellitus

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Wie in Teil 1 bereits angedeutet, kann eine Pankreasinsuffizienz neben dem exo- auch den endokrinen Anteil des Pankreas betreffen. Ist der endokrine Anteil, also der Inselzellapparat betroffen, wird nicht mehr ausreichend Insulin gebildet. Ein Diabetes mellitus Typ I entsteht. (Wobei die Einteilung aus der Humanmedizin nur bedingt auf Hunde und Katzen übertragen werden kann.) Warum Typ 1? Es gibt (wer hätte das gedacht) auch einen Diabetes mellitus Typ II, aber dazu gleich mehr.

Das Problem

Der Einfachzucker Glukose ist lebenswichtig, er ist das Benzin der Zelle, DER Energieträger auf Zellebene. Insulin ist der Schlüssel, der die Körperzellen für Glukose aufschließt. Dazu bindet das Insulin an einen Insulinrezeptor der Zelle und diese öffnet einen kleinen Kanal, der den Zucker in das Zellinnere herein lässt. Ohne Insulin bleibt die Zelle zu. (Einzige Ausnahme sind die Leberzellen, die können auch ohne Insulin Glukose aufnehmen).

Es kann aber auch ein Problem geben, obwohl eigentlich mehr als genug Insulin da ist, nämlich wenn die Zellen kaum noch Insulinrezeptoren haben. Das passiert wenn ständig Insulin in großen Mengen ausgeschüttet wird (z.B. aufgrund von anhaltender Fehlernährung oder Stoffwechselerkrankungen) und die Rezeptoren unter Dauerbeschuss stehen. Dann sagen die Zellen irgendwann „Macht euren Kram doch alleine“ und ziehen die Rezeptoren auf ihrer Oberfläche ab. In diesem Fall ist zwar genug Insulin da, aber ohne ausreichend Rezeptoren kann die Zelle trotzdem nicht viel Glukose aufnehmen: ein Diabetes mellitus Typ II. Die Folgen sind dieselben wie beim Insulinmangel: der Blutzuckerspiegel ist dauerhaft zu hoch. Der Typ 2 ist anfangs kein Problem des Pankreas, sondern eben eine „Insulinresistenz“ und häufig (aber nicht nur) eine Folge anhaltenden Übergewichts, weswegen man ihn manchmal auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Aber mit der Zeit erschöpfen die Zellen, die ständig so viel Insulin bilden müssen und zu der Insulinresistenz gesellt sich noch ein Insulinmangel. Es entsteht ein Teufelskreis.

Wenn kein Zucker mehr in die Zellen kommt, egal aus welchem Grund, haben die Zellen ein Problem - ein Energiemangelproblem. Der Körper muss auf eine andere Form der Energiegewinnung umschalten und beginnt vermehrt aus Fettsäuren sogenannte Ketonkörper zu bilden. Diese sind sauer und wenn über einen langen Zeitraum viele davon gebildet werden, kommt es zu einer sogenannten Ketoazidose, einer Übersäuerung des Blutes. Das kann man sogar riechen. Der diabetische Patient riecht dann „fruchtig“. Das ist nicht süß, sondern ein Zeichen dafür, dass der Diabetes endgültig entgleist ist. Das ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Dauerhaft massiv erhöhte Blutzuckergehalte sind aber auch aus anderen Gründen nicht gut. Blutgefäße verstopfen oder werden beschädigt, so dass es zu Durchblutungsstörungen kommt. Schlecht heilende Wunden sind nur eine Folge davon. Eine Minderdurchblutung der Netzhaut kann zum Erblinden führen. Es kann zu Nervenschädigungen kommen. Schlaganfälle, Herzinfarkte und Nierenschäden treten als Folgeerscheinung auch häufig auf.

Also kurz gesagt ist es wichtig, den Diabetes so früh wie möglich in den Griff zu bekommen.

Nicht zuletzt steigt die Gefahr von Harnwegsinfekten. Der einzige Weg die überschüssige Glukose los zu werden ist über den Urin. (Deswegen heißt der Diabetes übrigens Zuckerkrankheit, früher konnte man das nur diagnostizieren, indem man kostete ob der Urin süß schmeckte… ein Hoch auf die Industrie die den Teststreifen entwickelt hat) Der Urin enthält also ständig Zucker und das finden manche Bakterien toll. Zusätzlich ist auch noch die Immunabwehr beeinträchtigt.

Ursachen für Diabetes:

  1. Autoimmune Zerstörung der Inselzellen durch Antikörper, beim Hund werden bei etwa der Hälfte der festgestellten Diabeteserkrankungen diese Antikörper gefunden, diese Form kommt dem Typ I des Menschen am nächsten und scheint genetisch bedingt zu sein
  2. Zerstört werden können die Inselzellen auch durch akute, wiederkehrende oder chronische Entzündungen des Pankreas
  3. Anhaltendes starkes Übergewicht: das Fettgewebe löst Entzündungsreaktionen aus, die Abwehrzellen aktivieren, die wiederum Stoffe freisetzen, welche den Zuckerhaushalt stören und langfristig eine Insulinresistenz verursachen. Vor allem bei Katzen die häufigste Ursache für Diabetes mellitus. Diese Form ähnelt dem Typ II des Menschen
  4. Begleiterscheinung anderer endokriner Erkrankungen wie Morbus Cushing
  5. Chronischer Stress, wobei ständig viel Cortison ausgeschüttet wird, dadurch ein ständig erhöhter Blutzuckerspiegel, weswegen ständig Insulin ausgeschüttet wird, dadurch erschöpfen die Inselzellen irgendwann
  6. Kurzzeitige diabetische Zustände bei weiblichen Hunden in einer bestimmten Zyklusphase, das verschwinden meist wieder

Noch ein kleiner Side kick: bei Katzen genügt die einmalige Bestimmung des Blutzuckerspiegels zur Diagnose eines Diabetes mellitus eigentlich nicht, da dieser auch durch Stress erhöht sein kann. Lasst mich kurz überlegen ob Katzen beim Tierarzt Stress haben…J Besser den Langzeitwert bestimmen als den aktuellen Blutzuckerspiegel.

Ach ja und noch eine Besonderheit bei der Katze: der Typ 2 bei der Katze kann wieder verschwinden, wenn sie annähernd Normalgewicht erreicht, muss aber nicht. Beim Hund passiert das so gut wie nie. Aber selbst wenn der Diabetes wieder verschwindet, sind die Inselzellen angeschlagen und die Tiere müssen regelmäßig kontrolliert werden.

Wie häufig ist Diabetes bei Hunden und Katzen?

Ca. 0,34 % der Hunde und 0,5 % der Katzen entwickeln einen Diabetes mellitus

Risikofaktoren

Hund und Katze: Übergewicht, Medikamente (z.B. Steroide, Cyclosporin), Pankreatitis, Fettstoffwechselstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Infektionen, Erkrankungen der Zähne,…

Hund v.a. Genetik, Pankreatitis

Katze v.a. anhaltendes Übergewicht, Bewegungsmangel, Genetik

Symptome

  • Tier trinkt und pinkelt auffallend viel
  • Heißhunger
  • Gewichtsverlust
  • Linsentrübung (Hund)
  • Muskelschwäche, Katze ganz typisch, kommt hinten nicht mehr hoch und fußt auf dem ganzen Fuß statt auf den Zehen (Google, Bilder: plantigrader Gang Katze)

Was tun bei einem Diabetes mellitus?

Bei einem insulinunabhängigen Typ II kann eine geeignete Diät und Gewichtsreduktion in einigen wenigen Fällen ausreichend sein. In den seltensten Fällen wird eine Futterumstellung alleine allerdings zu einer Besserung führen.

Der behandelnde Tierarzt muss entscheiden, ob ein Patient Insulin benötigt oder nicht und wenn ja welches am besten geeignet ist. Ist ein Tier insulinpflichtig, muss ein strenges Regime zwischen Fütterung und Insulingabe eingehalten werden. Die Einstellung auf Insulin ist nicht einfach und es können Monate vergehen, bis Futter- und Insulinmenge optimal aufeinander abgestimmt sind. Auch danach muss ein Diabetiker regelmäßig neu beurteilt und gegebenenfalls neu eingestellt werden. Sind Futtermenge, Fütterungszeitpunkt und Insulingabe einmal gut eingestellt, sollte nichts eigenmächtig geändert werden - nicht das Futter und erst recht nicht die Insulinmenge.

Welches Futter in welcher Menge?

  • Zunächst den tatsächlichen täglichen Energiebedarf auf der Basis des Sollgewichts berechnen, Normalgewicht soll angestrebt werden (Gewichtsverlust wöchentlich Katze 0,5 – max. 2%; Hund 1 – max. 2%), Hunde sind oft bereits untergewichtig bei Feststellung des Diabetes, daher kann anfangs sogar eine höhere Futtermenge benötig werden
  • Ziel der Diät ist es einen massiven und raschen Anstieg des Blutzuckers nach der Nahrungsaufnahme zu vermeiden:
  • In der Diät sollten Kohlenhydratquellen mit schnellverfügbaren Zuckern vermieden werden, nicht zwingend Kohlenhydrate an sich. Komplexe Kohlenhydrate, die durch die Verdauung nur langsam in einzelne Zuckermoleküle zerlegt werden sind gut geeignet (z.B. Vollkorngerste), aber auch die sollten nur begrenzt enthalten sein
  • Hohe Proteingehalte im Futter, das erhält die Muskelmasse, verbessert die Akzeptanz und den Glukosestoffwechsel
  • Also: eine Umstellung auf eine Diät, die o.g. Kriterien erfüllt, so wird die Anflutung von Glukose im Blut verlangsamt. Damit kann die Einstellung auf die richtige Insulinmenge erleichtert werden und eventuell wird auch nicht so viel Insulin benötigt wie bei „normalen“ Futtern.
  • Sollte der Patient stark übergewichtig sein oder einen gestörten Fettstoffwechsel haben, kann auch eine fettarme, faserreiche Diät geeignet sein.Das Erreichen des Normalgewichts ist wichtig in der Diabetestherapie, aber langsam und vorsichtig und vor allem unter engmaschiger, tierärztlicher Kontrolle.
  • Sollte eine spezielle Dosennahrung unbedingt notwendig sein, die keinen für Diabetiker optimalen Rohfasergehalt und –zusammensetzung aufweist, kann diese Nassnahrung z.B. mit Weizenkleie versetzt werden. Weizenkleie hat ein sehr günstiges Verhältnis an Faserstoffen und kann die Glukosefreisetzung ins Blut verlangsamen. Auch andere Cerealien oder faserhaltige Nahrungsmittel können hier eingesetzt werden. Aber Achtung: zu viel Rohfaser verschlechtert die Verdaulichkeit. Alles in Maßen!
  • Ein Allergiker muss natürlich ohne Wenn und Aber auf der Diät bleiben, die er verträgt, auch wenn das Einstellen mit Insulin damit eventuell etwas schwieriger ist.
  • Ein für Hunde und Katzen geeignetes Blutzuckermessgerät (z.B. Vet Mate von Berger Med) um zuhause regelmäßig den Blutzuckerspiegel messen zu können (ohne Stress durch den Tierarztbesuch). Viele Besitzer greifen leider immer noch auf Geräte aus der Humanmedizin zurück. Diese messen bei Hunden und Katzen nicht zuverlässig!
  • Übrigens ganz wichtig: das Tier muss fressen!!! Hat es Insulin bekommen und verweigert dann die Nahrung droht ein hypoglykämischer Schock, also eine Unterzuckerung. Deswegen ist gerade bei Katzen die Akzeptanz des Futters sehr wichtig und dass erst gespritzt wird, wenn das Tier frisst. Sollte der Notfall, also ein hypoglykämische Schock, auftreten, kann man dem Tier eine Zuckerlösung einflößen.
  • Auch wichtig: ein konsequentes, an das Tier angepasstes Bewegungsprogramm! Dies verbessert die Ansprechbarkeit auf Insulin und die Körperzusammensetzung (mehr Muskeln, weniger Fettmasse)

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