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Ode an den Beagle - Ein Eigenwilliges & persönliches Portrait

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Meiner Liebe zu Jagdhunderassen französischer Abstammung kam ich in meiner Jugend schon sprichwörtlich auf die Spur. So wurden die Sommerferien auf dem Reiterhof in der Eifel nicht etwa zum Highlight, weil ich Pferde reiten konnte, sondern weil mich von morgens bis abends die dort freilaufende Meute Bassets artésiens normands begleitete.

Ich begann mich mit Jagdhunden, deren Herkunft, Haltung und Eigenarten zu beschäftigen. Der Beagle hatte es mir besonders angetan.

Nicht nur seine kniehohe robuste und kräftige äußere Erscheinung in Kombination mit den typischen Schlappohren und dem liebenswerten Blick wirkten bestechend auf mich. Es war hauptsächlich der aufgeschlossene, fröhliche und starrsinnige Charakter, der mich um den Finger wickelte. Vermutlich fand ich mich selbst im Beagle wieder, wenn ich über seine Neugier, Geselligkeit und seinen Mut zu eigenen Entscheidungen las.

Die Geschichte des Beagles

Aber auch seine Herkunftsgeschichte faszinierte mich. Bereits um das Jahr 1066 wurden schlanke, weiße Jagdhunde aus der Normandie im Heer Wilhelms des Eroberers nach England gebracht. Ungefähr 350 Jahre später entdeckten die Briten während dem Hundertjährigen Krieg gescheckte, mittelgroße Jagdhunde in Süd-Frankreich, die sich wunderbar für die Jagd einsetzen ließen. Erste Aufzeichnungen zum Beagle selbst gibt es aus dem Jahr 1515 zu Hofe König Heinrichs VIII, in denen Zahlungen an den ‚Halter der Beagles‘ beschrieben sind.

Damals wurden die Vierbeiner nicht nach ihrem Äußeren, sondern nach ihren Fähigkeiten beurteilt und gezüchtet. Sie galten als zuverlässige Nutztiere für die Jagd zu Fuß oder zu Pferde und wurden in großen Meuten gehalten und eingesetzt. Als lauffreudiger und ausdauernder Hund verfolgte er Fährten spurlaut (bellend), sehr sicher und zielstrebig. Er galt als kaum abrufbar, sobald er die Fährte eines Beutetieres aufgenommen hatte und kam erst zum Stehen, wenn das Wild gestellt oder er selbst völlig ermüdet war. Die Tötung der Beute oder das Apportieren zum Jäger übernahm er durch seine zierliche Größe aber z.B. nur bei kleineren Kaninchen. Die Statur des Beagles wurde damals bewusst klein gehalten, damit sie gut in der Satteltasche des Jägers mitreiten und bei Start der Treibjagd auf Hasen oder Kaninchen abgesetzt werden konnten.

Folgend wurde er 1615 in der Liste der wichtigsten Jagdhunde durch Gervase Markham als ‚little Beagle‘ beschrieben. Und 1890 wurde er als eigenständige Rasse durch den Britischen Kennel Club anerkannt.

Und dann kam Abby…

Jahre nach meiner ersten Begegnung mit den Eifeler Bassets stießen wir durch Zufall auf eine Tierschutzorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte Laborhunde nach ihrer Entlassung an Privathaushalte zu vermitteln. Dass es diese Hunde gibt, war mir spätestens seit meinen Recherchen zum Beagle bekannt. Aufgrund ihres friedlichen und ausdauernden Wesens werden sie fast schon traditionell in Laboren eingesetzt.

Es stellte sich heraus, dass Hunde, die für die wissenschaftliche Forschung an Arzneimitteln, Infektionsschutz, Chemikalien oder Futtermitteln genutzt werden, meist aus gewerblichen Zuchten stammen. D.h. selbstständige Züchter schließen Verträge mit Instituten und geben die Junghunde nach der Geburt und der ersten Aufzucht an Labore ab.

Oftmals handelt es sich um kleinere Züchtungen, da die Tiere so weniger Platz und Nahrung in Anspruch nehmen. Die Hunde werden in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten und bewegen sich in Zwingern und eingezäunten Außengeländen, vergleichbar mit der Haltung in Tierheimen. D.h. im Umkehrschluss, dass Laborbeagles keine Stubenreinheit, keine anderen Umgebungen und keinen menschlichen Alltag kennenlernen. Sie werden für den Einsatz bei den Versuchen auch trainiert und erlernen Kommandos. Der Kontakt zu Menschen beschränkt sich eher auf die Fütterung, Reinigung der Zwinger und die Versuchsreihen. Wie lange ein Hund für Testzwecke in einem Institut gehalten wird, ist unterschiedlich.

Die Vierbeiner, die nach den Testreihen gesundheitlich dazu in der Lage sind an Privathaushalte vermittelt zu werden, werden Tierschutzvereinen übergeben.

Vor der Übernahme erhalten die Tierschützer nur Eckdaten zu den Hunden, wie z.B. Alter, Geschlecht und Gewicht, manchmal auch ein Foto. Erst nach dem Einzug in einer Pflegestelle, können Charakter, Eigenarten und Verhalten der Hunde kennengelernt und potentielle neue Halter gefunden werden. Findet sich ein geeigneter Haushalt, wird der Vierbeiner gegen eine Schutzgebühr abgegeben.

Nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen mit den Tierschützern, ließen wir uns auf die Warteliste setzen. Wenige Monate später lernten wir auf einem Blinddate eine einjährige, aufgeregte Beagledame beim ersten Besuch der Pflegestelle kennen und lieben. Und so kam Abby in mein Leben und veränderte es.

Ein Laborbeagle zieht ein

Rückblickend war es als zöge ein außergewöhnlich groß geratener Welpe bei uns ein. Denn Abby hatte, wie bereits von den Tierschützern angesprochen, in ihrem ersten Lebensjahr nicht viele Erfahrungen mit Menschen oder einem für uns normalen Alltag gemacht. Der Einzug bei einer vierköpfigen Familie, die sich mit ihr beschäftigte, war für sie in erster Linie eine riesige Umstellung. Allerdings eine, die sie schnell zu schätzen lernte und die - durch ihre offene Beagle-Manier - auch recht schnell reges Interesse an uns in ihr weckte.

Dass sie noch vieles entdecken musste, zeigte sich in den alltäglichsten Situationen. Es stellte sich heraus, dass sie noch nie Treppen gestiegen war oder dass ihr Schwimmen fremd war (und bis ins Alter auch immer etwas unheimlich blieb). Ich werde niemals den Moment vergessen, in dem sie herausfand, wie es sich anfühlt über eine ungemähte Wiese zu hüpfen. Unsere gemeinsamen Stunden in der Hundeschule waren auch für mich die ersten Schritte in einem Mensch-Hund-Team. Und die Abende verbrachte sie prinzipiell beim ausgiebigen Kontaktliegen mit allen Mitgliedern ihrer neuen Meute auf dem Sofa. Sie war später eine gelassene und ruhige Rassevertreterin und hielt nie viel vom Jagen, beäugte vorbeilaufende Kaninchen – zu unser aller Belustigung - eher gelangweilt und legte nur selten, dann aber richtig den Raketenantrieb ein.

Dass wir sie dabei begleiten durften ins Familienleben zu finden, half nicht nur ihr, sondern zeigte auch uns, dass bisher bestehende Grenzen immer überwunden werden können. Und dass eine einfühlsame und ermutigende Herangehensweise zusammenschweißen kann. So lernte ich den selbstbewussten und eigenbestimmten Beagle auch als feinfühligen und genau abwägenden Vierbeiner kennen, der er ist.

Der Beagle als Ersthund

So verführerisch die Schlappohren auch sein mögen… - wer sich mit Hunden generell und insbesondere mit dem Verhalten von Jagdhunden nicht ausgiebig auseinandergesetzt hat, sollte dies erst tun, bevor er sich dafür entscheidet einen Beagle in die Familie aufzunehmen.

Da er bis ins 20. Jahrhundert hinein als Jagd- und ‚Meute‘hund gezüchtet wurde, sind seine Eigenschaften nicht jedermanns Sache. Als Meutehund ist er sehr gesellig und liebt Kontakt zu anderen Hunden und Menschen. Aus diesem Grund ist er aber auch besonders durchsetzungsstark und mitunter stur, wenn es um seine eigenen Belange und Überzeugungen geht. In einer großen Gruppe muss man sich schließlich behaupten können.

Entscheidungen muss der Jagdhund von Welt jederzeit selbst fällen können, wenn er führerlos einem Kaninchen hinterher hechtet. Und jeder Beagle-Fan wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass das so sein muss.

Trifft man einen Beagle, orientiert dieser sich nach einer freundlichen Begrüßung – zumindest in der Natur oder in ungewohnter Umgebung – meist nach außen und sucht im eigenen Wirkungskreis nach interessanten Fährten oder (für ihn) Essbarem. Fragt man einen Beagle-Halter, was man zuweilen alles auf dem Boden finden kann, gibt es durchaus auch unappetitliche Aussagen zu hören. Neben seinem hervorragenden Geruchssinn, verdankt der Beagle seinem jagdlichen Erbe und der Haltung in Gruppen nämlich auch einen unerbittlichen Appetit.

So sehr man den riesigen Hunger beim heimischen Weihnachtsessen und die unfehlbare Nase beim Gassigang in frisch gedüngten Feldern verfluchen mag, so sehr bieten diese Eigenschaften Vorteile im Hunde-Alltag. Denn eines braucht der Beagle mit Sicherheit: körperliche & geistige Beschäftigung. Belohnungen durch Futter, treiben das Schlappohr dabei unermüdlich an und der gezielte Einsatz seines Geruchssinns lastet ihn auch mental aus. Der Besuch einer Hundeschule oder das Betreiben von Hundesport, wie z.B. Agility, Begleithundetraining oder Dog-Dancing, aber auch Zielobjektsuche oder Mantrailing gehören für jeden fitten Beagle auf den Wochenplan.

Regelmäßig sollte auch eine gewisse Pflege auf dem Programm stehen. Das kurze Jagdhundfell kann mit einer Gummi-Bürste durchkämmt werden, um alte Haare zu entfernen. Die Krallen sollten bei unzureichender Abnutzung ab und zu gekürzt werden. Und die hängenden Ohren können zu Entzündungen neigen und sollten daher wiederkehrend mit einer milden Lotion gereinigt werden.

Aufgrund seiner Neigung zu Übergewicht ist jedem Beagle-Halter zu empfehlen sich mit gutem Hundefutter und einem geeigneten Ernährungsplan auseinander zu setzen. Auch für Knochen und Gelenke kann man vorbeugend natürliche Ergänzer füttern, um einer nicht selten auftretenden Arthrose oder Hüftgelenksdysplasie (HD) vorzubeugen.

Begibt man sich aber mit Gelassenheit, Konsequenz, Aktivität und Liebe an das Zusammenleben mit einem Beagle, steht dem Glück nichts im Wege.

Einmal Beagle, immer Beagle

Im Alter von neun Jahren mussten wir uns von Abby verabschieden, weil sie ein großer Milz-Tumor plagte. Ob es sich dabei um Folgen der Labortests in ihrer Jugend handelte, blieb ein Rätsel. Aber die schönen gemeinsamen Jahre und die zahlreichen glücklichen Erinnerungen mit unserem Beagle-Mädchen und Ersthund ließen keinen Platz für unbeantwortbare Fragen oder traurige Vermutungen.

Nur wenige Monate ohne Hund hielten wir es aus. Und obwohl es mir schwerfiel, mich auf einen neuen Hund einzulassen, war doch klar, dass es wieder ein Beagle sein müsse. Etwas missmutig fuhr ich also mit zur Züchterin ins Nachbar-Bundesland und setzte mich ins vor Welpen wuselnde Wohnzimmer. Und als hätte er meinen Widerwillen gerochen, krabbelte der kleine Toni auf meinen eher unbeteiligten Schoß, kringelte sich zusammen als wolle er sagen ‚Hier bleib‘ ich jetzt‘ und schlief ein. Nun ja, er blieb tatsächlich. Durch die Erfahrungen mit Abby wussten wir nun noch besser auf die Bedürfnisse und Eigenarten eines Beagles einzugehen.

Und Toni entwickelte sich zu einem souveränen Bilderbuch-Beagle, wenn man davon absieht, dass er nicht mit jedem Zwei- oder Vierbeiner ‚gut Freund‘ und ab und an recht territorial war. Entgegen der

Annahme, dass alle Vierbeiner einer Rasse alle standardisierten Eigenschaften besitzen, unterscheiden sich nämlich auch Hunde in ihren charakterlichen Eigenschaften. Somit war es für uns völlig in Ordnung, dass Toni sich seine liebsten Menschen und Hunde selber aussuchte.

Einer davon sollte sein Bruder Filou werden, der einzog als Toni noch als Junghund durchging. Denn obwohl der hochbeinige, tollpatschige und verspielte bi-color-farbene Rüde so ziemlich das Gegenteil vom eher klein geratenen Professor Toni war, kamen sie zeitlebens gut miteinander aus.

Toni war mit uns aktiv im Mantrailing und der Zielobjektsuche, zur Belustigung und zum Groll einiger Malinois-Halter nahm er mit mir auch an einem Obedience-Kurs teil. Stets begleitet vom typischen Stursinn und immer für ein paar Lacher oder ungeplante Ausflüge zu haben.

Wenn mich jemand fragt, warum ich Beagle liebe, dann erzähle ich immer die gleiche Geschichte.

Nachdem Toni sich an einem Sommertag beim Spaziergang losriss und samt Leine zur Verfolgung einer Kaninchen-Fährte aufmachte, saß er nur wenig später wimmernd im meterhohen Dickicht. Ich kämpfte mich mit Hilfe von Taschenmesser und dicker Outdoor-Bekleidung – seinen Lauten folgend - durch das Gestrüpp und fand ihn unter flächendeckenden Brombeerhecken, die Leine verheddert in einer Baumwurzel. Ich hob die Hecken an, zerschnitt mir dabei die Hände und anschließend mit dem Messer die Leine. Toni sah mich an, ich nickte und er robbte mir unter dem stacheligen Gestrüpp entgegen, ließ sich hochheben und aus den Hecken tragen. Auf dem rettenden Landweg angekommen, setzte ich ihn ab, wir schüttelten uns beide und er wich mir – auch ohne Leine - nicht mehr von der Seite.

Dieses kleine Abenteuer fasst für mich zusammen, was einen Beagle ausmacht. Er war auf eigene Entscheidung losgezogen, geriet in Schwierigkeiten und rief nach mir. Und so sehr ein anderer Hundehalter vielleicht geflucht hätte, war das für uns ein wortloser Moment der Verbundenheit. Und auch später noch rollte er sich im vergangenen Jahr an seinem letzten Tag auf meinem Schoß zusammen, um ein letztes Mal gekrault zu werden.

Nun sorgt Senior Filou alleine für Schwung im Haus und macht Frauchen regelmäßig den Platz auf der Couch strittig. Was Hundetrainer dazu sagen, ist dabei sowohl dem Beagle als auch den Haltern egal. Eben ganz nach Beagle-Art.

Rasse-Standard

  • 33-40cm Widerristhöhe
  • kompakter Körperbau, robuste & muskulöse Erscheinung, ohne grob zu wirken
  • kurzes, wetterfestes Fell in allen Hound-Farben (exkl. ‚Leber‘) weiße Schwanzspitze
  • abgerundete Hängeohren

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