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Ode an den Corgi

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Vor knapp 5 Jahren fasste ich einen Entschluss. Zu mir und meiner damals 9-jährigen kleinen Hündin Hermine sollte ein neuer Welpe dazu stoßen. Solch ein Gedanke arbeitet lange in einem! Jeder der sich bereits einmal für ein Haustier entschieden hat kann mich sicherlich verstehen.

Welche Rasse, Mischling, Welpe, Rüde, Hündin…waren nur einige Fragen, die mich monatelang begleiteten. Meine damaligen Vorstellungen waren wie folgt: der nächste Hund sollte ebenfalls nicht zu groß sein, schließlich bin ich beruflich viel unterwegs und ein kleinerer Hund erschien einfacher. Ich wollte keinen Hund mit ausgeprägtem Jagdtrieb, so fielen schon Mal einige Terrier Rassen für mich aus. Ein Tipp von meiner lieben Kollegin Anne kam ganz unerwartet: „Was hältst du denn von einem Corgi?“

Meine Antwort bestand aus einer Frage, die mir in den vergangenen vier Jahren ebenfalls sehr oft gestellt wurde: „Ist das nicht der Hund der Queen?“.

In meiner Vorstellung geisterte nun ein kurzbeiniger, kläffender etwas dicklicher Hund herum, so royal erschien mir das ganz und gar nicht. Aber dennoch fing ich an zu recherchieren und lernte , dass es nicht DEN Corgi gibt, sondern zwei getrennte Corgi-Rassen. Den Welsh Corgi Pembroke (tatsächlich die Lieblingsrasse der Queen) und den deutlich unbekannteren Welsh Corgi Cardigan.

Beide Rassen sind von der FCI (Fédération Cynologique Internationale, dem größten kynologischen Dachverband) anerkannt und werden zur Gruppe 1, der Hüte- und Treibhunde zugeordnet. Die Beschreibungen über Hüte- und Treibhunde in Wales gehen über Jahrhunderte zurück. Sie wurden genutzt, um Vieh auf Weiden oder Märkte zu treiben, wurden aber auch als Wach- und Familienhunde geschätzt. Die Namen der zwei Corgi-Rassen beziehen sich auf deren Herkunft aus den Regionen Pembrokeshire und Cardiganshire in Wales. Der Begriff Corgi stammt von den walisischen Wörtern Cor (Zwerg) und Ci (Hund) ab. Da es wenig Literatur zur genauen Entstehung der zwei Rassen gibt und die meisten Informationen nur auf mündlichen Überlieferungen beruhen, gibt es verschiedene Theorien zu den Rassevorfahren der Corgis.

Eine bekannte Theorie besagt, dass der Pembroke vom schwedischen Vallhund abstammen könnte, der bereits mit den Wikingern nach Wales gekommen sein soll. Über die Jahrhunderte hinweg kam es zu weiteren Kreuzungen mit spitzartigen Rassen. So entwickelte sich der typische fuchsartige Ausdruck und die Stehohren des Pembroke. Es gibt ihn mit langer Rute oder unterschiedlichen angeborenen Rutenlängen, von „Baguettebrötchen-Länge“ bis hin zum kurzen stummeligen Bob. Der Cardigan hingegen, in seiner Statur größer und kräftiger, mit längerem Rücken, größeren Ohren, leicht ausgestellten Vorderpfoten und stets langer Rute, findet wohl seinen Ursprung in der Familie der Dachshunde. Er soll schon deutlich früher in Wales heimisch gewesen sein, als sein bekannterer Namensvetter der Pembroke. Wahrscheinlich haben sich beide Rassen lange Zeit getrennt voneinander entwickelt. Später, bis in die 1920er Jahre, wurden sie auch miteinander gekreuzt. 1925 gründeten Rasseliebhaber der Corgis den ersten Corgi-Club, obwohl erst 1934 beide Rassen offiziell getrennt voneinander anerkannt wurden.

1933 bekam Queen Elizabeth II ihren ersten Welsh Corgi Pembroke geschenkt und vermutlich begann an diesem Tag die Bekanntheit der Rasse und die Zahl ihrer Liebhaber zu wachsen.

Mich begeisterte damals die Underdog-Stellung und die Optik des Cardigans, auch wenn so etwas nie ein Kriterium für die Anschaffung eines Tieres sein sollte. Aber auch mit weiteren Informationen über Charakter und Unterschiede beider Rassen, ließ mich dieser kurzbeinige Riesendackel nicht wieder los. Eine Cardigan-Züchterin stellte für mich einen Kontakt in meiner Nähe her, so konnte ich endlich einen Welsh Corgi Cardigan live erleben und herausfinden, ob Hermine und ich dieser Rasse gewachsen sind. Als ich ihn zum ersten Mal sah, waren meine Gedanken recht simpel „Ganz schön lang, ganz schön bodennah und ganz schön laut“. Letzteres schob ich schnell auf inkonsequente Erziehung, das würde ich sicherlich besser hinbekommen. Ich möchte zwar die Pointe nicht vorwegnehmen, aber an meine Naivität sollte ich mich noch oft zurückerinnern.

Es stand fest: ein Welsh Corgi Cardigan sollte es sein. Die Züchtersuche gestaltete sich anfangs kompliziert, es gab zudem wenige Würfe pro Jahr in Deutschland. Doch durch Zufall und ein wenig Hartnäckigkeit meinerseits, habe ich die passende Züchterin gefunden. Im November 2016 konnte ich die kleine Hilda das erste Mal treffen. Und 8 Wochen später zog sie zu Hermine und mir ein.

Von Tag 1 an wurde mir bewusst, dass dieser kleine kurzbeinige Hund ein Ego hatte, wie es sich mancher Rottweiler wünschen würde. Hilda war laut, führte wahrhaftige Gespräche mit mir oder sich selbst, kommentierte jede Bewegung im Haus, war unerschrocken mit Tendenz in Richtung Größenwahn und ein richtiger Charakterkopf. In der Rassebeschreibung war zu lesen, der Cardigan sei auf einer Party der gesittete Gastgeber, wohingegen der Pembroke der Partyclown ist. Hildas Gastgeberqualitäten stellte ich nicht nur einmal in Frage.

Meine zwei Wochen Welpen-Urlaub vergingen wie im Flug und dann kam der Tag, an dem Hilda mich auch im Job begleiten sollte. Wie erwähnt bin ich viel unterwegs - ich arbeite nämlich im Außendienst für, dreimal dürfen Sie raten, den Futterhersteller Vet-Concept. Wenn man mit einem 11 Wochen alten Corgi-Welpen einen Raum betritt, rückt der eigentliche Grund des Besuchs sehr schnell in den Hintergrund. Aber nicht nur, weil Hilda unfassbar niedlich war, sondern vor allem, weil sie Gespräche und fehlende Aufmerksamkeit mit lautem Kläffen quittierte. Auf verlegene Entschuldigungen und mit Schweißperlen besetzter Stirn meinerseits, versicherten mir meine Gesprächspartner stets freundlich, dass Ihnen das Gebell nichts ausmachen würde. Die schmerzverzerrten Gesichtsentgleisungen bei Frequenzen, die Fledermäuse orientierungslos machen konnten, sprachen jedoch eine andere Sprache…

Ich hielt durch, Hilda aber auch und so wurden wir allmählich ein Team. Sicherlich eines mit Höhen und Tiefen aber jeder von uns lernte mit den Tiefen umzugehen und die Höhen zu genießen. Aber ich begriff, dass ich den Charakter des Cardigan Corgis unterschätzt hatte. Er ist außerordentlich intelligent und man sollte ihn anspruchsvoll beschäftigen, ohne ihn zu verheizen. Ursprünglich als Treibhund und Fersenbeißer für Rinder gezüchtet, als sogenannte Heeler, ist der Cardigan sehr reizoffen und reagiert in dynamischen Situationen intensiv. Von Impulskontrolle war anfangs keine Spur. Ruhe ist sehr wichtig und wahrscheinlich die wertvollste Übung für einen Corgi-Welpen in den ersten Wochen. Niedliche Internetvideos spiegeln selten die Realität wieder.

Außerdem sollte man Welpen konsequent aber liebevoll begreiflich machen, dass die eigenen Füße kaum Ähnlichkeit mit Rinderfesseln aufweisen und man sich gerne ohne Corgi am Hosenbein bewegen würde. Ein Treibhund bleibt Treibhund und als Halter muss man lernen, fair mit den Bedürfnissen eines Corgis umzugehen und sie in Richtungen zu lenken, die Mensch und Hund Spaß machen. Nicht Alles davon ist mir mit Hilda perfekt gelungen, aber aus ehrlicher anfänglicher Überforderung wurde schnell eine große Bewunderung für diese tolle Rasse. Bekommt man nicht auch immer den Hund, den man verdient?

Ich hatte nicht mit der großen Aufmerksamkeit meiner Umgebung gerechnet, denn ein Corgi fällt auf. Es entstanden zahllose Gespräche, Fragerunden und manchmal auch unverschämte Kommentare. Ein Welsh Corgi Cardigan ist ungewöhnlich und in Deutschland selten, daher ist mir von anhaltenden Autos, über Freudentränen bis hin zu tuschelnden Passanten mit Sprüchen wie „was ist denn bei dem schief gelaufen“ oder „hat das Geld nicht mehr für Beine gereicht?“ schon fast alles passiert. Ein älterer Herr spekulierte einst, ob es sich bei meinem Hund um eine Kreuzung aus Fuchs und Maus handelte, was mich bis heute zum Schmunzeln bringt.

Der Witz und Charme eines Cardigans macht süchtig und so war ich der Rasse restlos verfallen.

Vor knapp zwei Jahren wollte ich meine Nerven vor eine erneute Herausforderung stellen. Hilda bekam Verstärkung in Form der kleinen Cardigan-Dame Hedwig.

Diesmal war ich gewappnet! Ich war bereit für schlaflose Nächte, für scheibenzerberstendes Gekläffe, für noch mehr Selbstüberschätzung in Stumpffüßlerform. Aber es kam anders.

Entweder hatten mich zwei Jahre Corgi-Wahn verblendet oder diesmal lief tatsächlich alles besser. Hilda und Hedwig wuchsen von Tag zu Tag enger zusammen. Nicht nur meine Nerven waren stärker geworden, sondern auch ich schien nach zwei Jahren dem Cardigan sprichwörtlich gewachsen zu sein. Von nun an war Double-Trouble mein Motto. Zwei Corgis bringen tatsächlich doppelt Freude, sie ergänzen sich in ihrer Art, sei es im sehr körperbetonten ruppigen Spiel oder in ruhigen Momenten der gegenseitigen Fellpflege. Sie sprechen wortwörtlich die gleiche Sprache. Natürlich bringen zwei Cardigans einen auch doppelt so schnell an seine Grenzen aber dafür erfüllt mich das Zusammenleben immer mehr. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team, wir lachen, wir streiten, wir lieben uns. Es flossen aber auch Tränen, diese meistens bei mir. So, wie es in einer echten, unerschütterlichen Freundschaft sein sollte. Der Cardigan ist ein loyaler Begleiter, er ist ein wunderschöner großer Hund in kleiner Verpackung. Er ist seinen Menschen sehr verbunden, wahnsinnig treu und für jede Aktivität zu haben. Auch der Partyclown gelingt ihm stets ausgezeichnet. Dennoch bleibt er ein Freigeist mit starkem Charakter, der gerne auch eigene Entscheidungen trifft. Gemeinsam bringt uns mittlerweile fast nichts mehr aus der Ruhe –Außer Nachbars Katze.

Wer also:

- Einen Freund fürs Leben sucht

- Wer aushalten kann auch Mal zu scheitern

- Wem es nicht zu peinlich ist, dass die Nachbarschaft weiß, dass man gerade spazieren geht, weil entweder man selbst oder der Hund brüllt

- Wen es nicht stört, dass Corgis mehr haaren als sie Fell haben

-Wer ganz viel Platz im Herzen für die Liebe seines Lebens hat

Für den ist der Welsh Corgi Cardigan der perfekte Hund.

Nachdem mich diese besonderen Hunde nun seit über 4 Jahren begleiten, kann ich über vieles lachen und weiß noch mehr zu schätzen, was es bedeutet einen Cardigan als Freund zu haben. Und wenn mich heute jemand im Vorbeigehen fragt, „Sind das die Hunde der Queen?“, dann kann ich mit Stolz und einem Augenzwinkern antworten: „Nein, das sind meine.“

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