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Bauchspeicheldrüse Teil 2 - Die exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)

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Wie in Teil 1 bereits angedeutet, kann eine Pankreasinsuffizienz, also das Unvermögen des Pankreas ausreichend Verdauungsenzyme oder Hormone zu bilden, verschiedene Ursachen haben:

  • eine akut wiederkehrende oder eine chronische Entzündung des Organs. Die Entzündungen verursachen einen Verlust an funktionalem Gewebe, wobei es auch zur Zerstörung des Inselapparates kommen kann. Daher kann es hierdurch sowohl zu einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) als auch zur Ausbildung eines Diabetes mellitus (DM) kommen.

  • eine juvenile (jugendliche) Form der Pankreasatrophie*, die genetisch bedingt ist und daher familiär gehäuft auftritt. Besonders häufig sind Schäferhunde und bestimmte Collies betroffen, aber auch bei anderen Rassen und Mischlingen kommt die angeborene Pankreasatrophie vor. Die betroffenen Hunde werden mit einem intakten Pankreas geboren, dieses beginnt aber sehr früh zu schrumpfen - vermutlich durch eine Autoimmunreaktion. Symptome treten oft bereits zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat auf.

*Atrophie= Verlust von Zellen, Geweben, Organen … es wird weniger oder kleiner, bildet sich zurück

  • Tumore können ebenfalls das funktionale Gewebe verdrängen, führen aber in der Praxis tatsächlich selten zu einer Insuffizienz.

Während beim Hund eine der häufigsten Ursachen für eine EPI die angeborene Atrophie des exokrinen Pankreas ist, steht bei der Katze die chronische Entzündung im Vordergrund.

Probleme mit der Verdauung bemerkt man in der Regel erst dann, wenn ca. 90 % des Pankreas zerstört sind. Dieser exokrine Teil produziert den „Bauchspeichel“ oder „Pankreassaft“, der die Verdauungsenzyme enthält:

  • Lipase – spaltet Fett
  • Amylase, Carboanhydrasen – spaltet Stärke
  • Protease – spaltet Eiweiß

Das Problem

Meist ist es ein schleichender Prozess, bei dem die Verdauungsfähigkeit stetig oder in Schüben immer weiter nachlässt. Der Löwenanteil der Verdauungsenzyme stammt nun mal aus dem Pankreas. Die Darmwand produziert zwar auch einige wenige Enzyme, die der Verdauung von Kohlenhydraten und Eiweißen dienen, fettspaltende Enzyme aber kommen allein aus dem Pankreas. Ok, auch im Magen werden ein paar Enzyme zur Fettverdauung gebildet, aber auch nicht in großer Menge und die Fette liegen im Magen auch noch nicht in (durch die Galle) emulgierter Form vor, so dass ohne die Pankreaslipase (fettspaltenden Enzyme) die Fettverdauung relativ früh im Krankheitsgeschehen deutlich beeinträchtigt ist. Das gibt dann diese "schönen", gelben, fettglänzenden und geruchsintensiven Durchfälle.

Also zusammengefasst: das Problem ist, dass nicht mehr genug Verdauungsenzyme gebildet werden, folglich kann nicht mehr ausreichend verdaut werden. Dadurch haben die Vierbeiner viel unverdautes Material im Darm."

Die Darmwand ist eine sogenannte „semipermeable“ Membran. Nur in die kleinsten Einzelteie zerlegte Nährstoffe können von ihr aufgenommen werden (Einfachzucker, Aminosäuren, Fettsäuren,…). Bei einer Pankreasinsuffizienz können wegen des Mangels an Verdauungeenzymen die Nährstoffe nicht mehr ausreichend aufgespalten werden und verbleiben im Darm. Wegen der hohen Konzentration an Stoffen, die im Darm verbleiben, weil sie noch nicht fertig verdaut sind und deswegen nicht in den Körper aufgenommen werden können, strömt Wasser in den Darm ein. Und was passiert demzufolge? Große, weiche Kotmengen bis hin zu Durchfall erblicken das Licht der Welt.

Dazu kommt noch, dass ja viele verschiedene Bakterien im Darm leben. Einige von denen feiern jetzt richtig Party, weil Substanzen in Regionen des Darms auftauchen, wo sie sonst nie hingelangen – zumindest nicht in diesen Mengen, weil sie unter normalen Umständen schon längst verdaut wären. Also vermehren sich bestimmte Bakterien in den hinteren Abschnitten des Darms übermäßig und tun fleißig und mit großer Begeisterung das, was Bakterien nun mal so tun: Sie bauen Kohlenhydrate und Eiweiße unter Gasbildung ab. Das erzeugt nicht nur echt übelriechende Pupser und stinkenden Kot, die Blähungen können auch kolikartige Schmerzen verursachen.

Durchfall und Blähungen sind ja schon schlimm genug, aber das schwerwiegendste Problem für das betroffene Tier ist der entstehende Nährstoffmangel. Die Nahrung wird nicht mehr ausreichend verdaut, die Nährstoffe können nicht aufgenommen werden, deshalb haben die meisten der betroffenen Tiere ständig Hunger, fressen alles was sie bekommen können (häufig inklusive ihrem eigenen Kot) und magern trotzdem zusehends ab. Neben dem Energiemangel entsteht natürlich auch ein Mangel an Baustoffen (Aminosäuren, Fettsäuren), Vitaminen und Mineralstoffen.

Nicht alle Tiere zeigen diesen übermäßigen Hunger. Bei manchen ist der Appetit sogar eingeschränkt, vermutlich steht das in direktem Zusammenhang mit dem schlechten Allgemeinbefinden.

Typische Symptome einer exokrinen Pankreasinsuffizienz

  • Gewichtsverlust bzw. Abmagern trotz übermäßigem Appetit
  • große Kotmengen und häufiger Kotabsatz
  • manchmal finden sich unverdaute Nahrungsbestandteile im Kot
  • Blähungen, Aufgasung, Bauchschmerzen/Koliken (durch die Blähungen)
  • Kotfressen

Wie häufig sind Pankreasinsuffizienzen bei Hunden und Katzen?

Viele Angaben zur Häufigkeit der Pankreasinsuffizienz finden sich nicht in der Literatur. Besonders häufig sind wie oben erwähnt Schäferhunde und Collies von einer Pankreasinsuffizienz betroffen, die durch eine vererbte autoimmunvermittelte Rückbildung des Pankreas verursacht ist. Bei diesen beiden Rassen sind ca. 1% der Tiere betroffen. Diese juvenile Pankreasatrophie kommt auch bei anderen Rassen vor, aber deutlich seltener. Auch wenn Katzen häufiger von Pankreasproblemen betroffen sind als man früher annahm, sind sie immer noch vergleichsweise selten betroffen.

Was und wie füttern bei einer Pankreasinsuffizienz?

Wenn anfangs nur die Fettverdauung beeinträchtigt ist, kann es manchmal ausreichend sein, ein hochverdauliches, fettreduziertes Futter in mindestens 2 Portionen am Tag zu füttern, eher mehr. Warum mehrere Portionen? Das Pankreas produziert ja noch Verdauungsenzyme, nur nicht mehr so viele. Für die Verdauung kleinerer Portionen kann es möglicherweise noch ausreichen.

Im fortgeschrittenen Stadium wird allerdings kein Weg an der Zugabe von Pankreasenzymen vorbei führen. Die zur Verfügung stehenden Produkte haben unterschiedliche Zubereitungsformen und können zu individuell unterschiedlichem Ausmaß an Verbesserung führen. Wenn ein Tier nicht gut auf die Enzymzufuhr anspricht, kann es also manchmal ratsam sein ein Enzympräparat einer anderen Firma/Zubereitungsart auszuprobieren oder die Dosis anzupassen.

Werden Verdauungsenzyme gegeben, muss das Futter nicht mehr unbedingt massiv fettreduziert sein. Allerdings erreichen Tiere die an einer Pankreasinsuffizienz leiden meist trotz Enzymsubstitution nicht die Fettverdauungskapazität wie gesunde Tiere. Daher sollte das gewählte Futter besser keine sehr hohen Fettgehalte aufweisen sowie qualitativ hochwertig und hochverdaulich sein. Meistens genügt es, das Pulver oder die Tabs einfach zum Futter dazu zu geben. In schwereren Fällen kann es aber schon mal sein, dass das Futter im Napf vorverdaut werden muss. Ist genau so eklig wie es sich anhört, aber die Tiere haben damit in der Regel kein Problem und fressen den vorverdauten Brei recht gerne. Dosenfutter kann man dazu einfach mit den Verdauungsenzymen mischen, Trockenfutter muss eingeweicht werden, damit die Enzyme arbeiten können. Bei warmen Temperaturen und einem leicht basischen pH müssen die Enzyme dann einige Stunden einwirken, bevor das Futter angeboten wird.

Wie viel Enzym gegeben werden muss hängt davon ab, wie viel Verdauungsenzyme das eigene Pankreas noch bilden kann. Um die richtige Dosierung heraus zu finden, fängt man am besten nach Rücksprache des Tierarztes mit einer hohen Dosis Enzyme an und reduziert die Menge so lange, bis die Verdauung wieder schlechter wird. Dann weiß man, wie viel man verwenden muss, damit es funktioniert.

Wenn der Patient bereits sehr mager ist, wird eine größere Menge Futter gegeben. Bis hin zum Doppelten des normalen Erhaltungsbedarfs auf mehrere Portionen am Tag verteilt, bis sich das Gewicht normalisiert hat.

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